Der Teufelskreis

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von Priska

25. November 2021

Oder …

„Eine Gesellschaft,  die  über  eine  hoch  technisierte Intensivmedizin  verfügt,  kann  offenbar  nicht glauben,  dass  bei  der  Bekämpfung  eines  Virus  so etwas  Gewöhnliches  wie Joggen  und  Gemüse  von großer  Bedeutung  sein  soll.“

Das ist aus meiner Sicht eine ziemlich weise Hypothese, auch wenn sie fast zu doof klingt. Bereits vom 18. Februar 2021: ein Zitat aus einem mutigen Artikel in der Zeit.

Geändert hat sich daran im letzten Dreivierteljahr gar nichts, weder an den Zahlen noch an der Ignoranz in Bezug auf diese Zahlen und entsprechend auch nichts daran, was die „Volksgesundheit“ erhalten würde. Deshalb poste ich auch neun Monate nach Erscheinen dieses Artikels (den ich kürzlich zufällig auf meiner Festplatte entdeckt habe), einige Auszüge. Zwischenrein in eckigen Klammern und hinter den *** finden sich Kommentare von mir.

Annika Joeres schreibt in „Neuer Wirkstoff entdeckt“

„Was wäre,  wenn  in der Corona-Epidemie  auf  die  falschen  Zahlen  geschaut  wird,  auf die Erkrankten und  nicht  auf  die Gesundgebliebenen?  Offenbar  werden  weitaus  mehr Menschen allein mit Corona fertig als  bislang  angenommen.  Nach  Recherchen der  ZEIT  sind  zwischen  20  und  30  Prozent der  Menschen,  die  die  offizielle  Statistik als  stationär  behandelte  Corona-Patienten führt,  nicht  wegen  Corona  im  Krankenhaus,  sondern  wurden  zufällig  positiv  getestet. (…)Auf  den  Intensivstationen  liegen  zehn  Prozent  der  als Corona- Fälle  gemeldeten  Patienten  wegen einer  anderen  Ursache.  Das  bestätigt  auf Nachfrage  der  Deutsche  Verband  der  Intensivmediziner  (Divi).  (…) Auch Krankenkassen gehen von  zahlreichen  Doppeldiagnosen  aus.  »Wir  sehen einen  nennenswerten  Anteil  von  Krankenhausfällen, die  ursächlich  aufgrund  einer  anderen  Erkrankung  als Corona  behandelt  wurden und  die dennoch in der Statistik unter ‚Corona-Patient‘ laufen“, sagt Uwe Repschläger, Finanzleiter der Barmer Krankenkasse. Er kann für seine Aussage auf Daten von 20.000 stationär behandelten Corona-Patienten zurückgreifen.“

[November 2021: Im persönlichen Umfeld eines Freundes sind in diesem Jahr zwei ehemalige Journalistenkolleginnen gestorben. Beide erlagen einem Krebsleiden, so die Auskunft der Angehörigen und der befreundeten Journalisten. Doch beide wurden in die Statistik der an und mit Corona-Toten mit eingereiht, obwohl die Hinterbliebenen dagegen protestierten. Beide Verstorbene hatten Corona-Viren im Blut, doch sie starben nicht am Virus. Unbekannt ist allgemein und wird in der Diskussion ausgeblendet, wie viele bereits eine Dosis Corona bekamen und dies nicht wissen, eben nicht als Genesene gelten.]

„Das  sind  sensible  Neuigkeiten.  Nach  dieser  Rechnung  käme  nicht  mehr  jeder  zehnte positiv  Getestete  ins  Krankenhaus,  wie  das RKI  angibt,  sondern  nur  noch  jeder  zwölfte bis  vierzehnte.  Mehr  als  neun  von  zehn  Personen  –  allein  der  getesteten  –  konnten  Corona  ohne  medizinische  Hilfe  überwinden. So  stellt  sich  die  Frage,  ob  es  nicht  die Aufgabe  der  Regierung  wäre,  mehr  Menschen  in  die  Lage  zu  versetzen,  das  Virus besser  abzuwehren.  Politik  und  Öffentlichkeit  verwenden  viel  Energie  darauf,  zu  diskutieren,  wie  die  Ausbreitung  zu  stoppen ist  (…).  Auffällig  selten  ist  die  Rede  davon,  was  gegen schwere  Covid-19-Verläufe  zu  tun  ist. (…) Dabei  sind  extrem  viele betroffen:  30  bis  40  Prozent aller  Deutschen  gehören  in dieser  Pandemie  zu  den  Risikopatienten.  In  einem  der  wohlhabendsten Länder  der  Welt  leidet  mindestens  jeder  Dritte unter gesundheitlichen Problemen, etwa unter Bluthochdruck,  Übergewicht,  Diabetes. (…) Die Erkenntnis  sickert  durch,  über  die  viele  Epidemiologen,  Biologen  und  Mediziner  schon lange  vor  Corona  sprachen:  Wir  leben  in einem  neuen  Zeitalter  der  Infektionskrankheiten.  (…) 

Viele  Menschen,  so  versichern  Studien und  nicht  zuletzt  die  Weltgesundheitsorganisation,  könnten  präventiv  vor  einem schweren  Verlauf  bei  Erkrankung  durch Corona  und  andere  Viren  bewahrt  werden. Ohne  Nebenwirkungen,  ohne  hohe  Kosten.  Diese  präventive  Strategie  ist  jahrzehntelang  erprobt  und  bestätigt. 

Doch  ebendieses  gesicherte  Wissen  wird seltsamerweise  nicht  so  ernst  genommen  wie die Corona-Zahlen‘,  von denen manche bei näherem  Hinsehen  nicht  eindeutig  sind.  Erstaunlicherweise  unterscheidet  das  RKI  eben nicht  zwischen  den  Infizierten,  die  wegen Corona ins Krankenhaus eingeliefert  werden, und  solchen,  bei  denen  zufällig  Corona  nachgewiesen  wird,  die sich  also  aus einem anderen Grund  im  Krankenhaus  aufhalten.  (…)

Verantwortlich  für  diese  Abweichung sind  allerdings  nicht  die  Kliniken.  Sie  folgen nur  dem  Meldeweg  des  Robert  Koch-Instituts.  Alle  neuen  Patienten  werden  systematisch  an  der  Eingangspforte  auf  das  Virus getestet  –  und  bei  einem  positiven  Befund über  das  Gesundheitsamt  an  das  RKI  gemeldet.  Zudem  ist  für  die  Krankenhäuser selbst  die  Unterscheidung  nicht  erheblich: Der  Aufwand  für  einen  Corona-Patienten, ob er  nun mit oder wegen Corona behandelt wird,  ist  immer  hoch,  denn  er  muss  in  ein Isolierzimmer  verlegt  werden,  Pfleger  und Ärzte  müssen  sich  besonders  schützen. (…)

Viele  Epidemiologen  meinen,  dass die  industrialisierten  Länder  –  trotz  sehr unterschiedlicher  Politik  –  am  Ende  ähnlich hohe  Opferzahlen  aufweisen  könnten.

[November 2021: Diese Voraussage bestätigt sich ein Dreivierteljahr später. Man gebe eine einfache Google-Suche ein, etwa „Corona-Tote in Großbritannien heute“ oder eben in Schweden oder in der Schweiz oder Dänemark und als Suchergebnis kommt in der Tat meist eine ständig höhere Inzidenzrate, doch der Toten-Spiegel ist im Vergleich zu Deutschland ähnlich. Vergleichbare Todeszahlen etwa in England, wo es seit dem Freedom Day am 19. Juli bis heute keinerlei Maskenpflicht und Einschränkungen im öffentlichen Leben mehr gibt, keine Trennung zwischen Geimpften und Ungeimpften, Pub-Besuch für jedermann/jederfrau. In Großbritannien sind 80 Prozent der Erwachsenen geimpft, in Deutschland derzeit um die 75 Prozent. Was dabei vergessen wird, es gibt zudem 5 Prozent Genesene.]

„Die  Impfungen  mögen  kurzfristig  entlasten,  aber langfristig,  so  sagt  es  inzwischen selbst  Bundesgesundheitsminister  Jens  Spahn,  könnten  sie  sich  als  unsichere Lösung  erweisen.  Wir  wissen  nicht,  ob  sie  für  alle künftigen  Mutationen  wirksam  sein  werden  und  ob  sie ausreichend  schnell  nachproduziert  und  verabreicht werden  können,  sollte  sich das  Virus  rasant  weiterentwickeln.  Wir  werden,  so sagte  es  vor  wenigen  Tagen Andrea  Ammon,  Leiterin der  EU-Behörde  zur  Prävention  von  Infektionskrankheiten  (ECDC),  noch  viele  Jahre mit  Corona  leben  müssen  –  vielleicht  sogar, wie  mit  der  Grippe  auch,  für  immer:  »Dieses  Virus  wird  bleiben.  Es  ist  sehr  gut  an den  menschlichen  Körper  angepasst  und wird uns weiterhin begleiten.«“

[November 2021: Auf den wöchentlichen Bundespressekonferenzen sagt RKI-Chef Wieler jedesmal, „ja wir müssen mit dem Virus leben lernen, es wird bleiben“. Diesen Satz lässt er nicht aus, wenngleich er dann sagt, wie er sich eine Non-Covid-Strategie vorstellen könnte und was er sich alles von der Politik an Einschränkungen wünscht. Strategien aus anderen Ländern werden nicht vorgestellt, sondern von Wieler wird auch bei jeder Pressekonferenz gesagt, „der einzig gangbare Weg sind Einschränkungen für Ungeimpfte und eine massive Erhöhung der Impfzahlen“. Über Wege in anderen Ländern wird einfach geschwiegen. Ähnlich ist das Bild in den Tageszeitungen. In der Süddeutschen Zeitung vom 18.11.21, S. 6 findet sich nach langer Zeit ein Text zur Corona-Lage in Großbritannien, wo das oben Gesagte bestätigt wird, natürlich mit Empörung über die Rücksichtslosigkeit, jedoch in einer Verklausulierung: In der Woche würden 1200 Menschen derzeit sterben. Auf einmal wird in Wochenzahlen gerechnet, und die Höhe der Zahl erschreckt den Leser. Prompt fehlt der Vergleich zu Deutschland wo täglich um die 250 Menschen sterben, sprich in einer Woche mehr als 3000 Menschen bei einer nicht viel größeren Einwohnerzahl.]

„Der menschliche  Körper  –  das  sind  wir. Während  viele  den  Inzidenzwert  ihres Wohnortes  auswendig  kennen,  während  in den  Talkshows  Kurvendiskussionen  geführt und  exponentielles  Wachstum  einer  Variante  besprochen  werden,  wird  selten  ergründet,  warum  Sars-CoV-2  für  manche Körper  fatalere  Folgen  hat  als  für  andere. Uwe Repschläger  weiß,  wie  entscheidend die  Gesundheit  des  Wirtes  –  unseres  Körpers  –  für  das  Coronavirus  ist.  Der  Finanzleiter  der  Barmer-Krankenkassen  verfügt über  einen  der  größten  Corona-Datenschätze:  Er  analysiert  die  medizinische  Behandlung  von  neun  Millionen  Versicherten.  Seine Zahlen  sind  aussagekräftiger als  die  des  RKI,  das  sich  auf Studien  mit  Kohorten  von meist  wenigen  Tausend  Personen  berufen  muss.  »Wir haben  die  Daten  gefiltert und  sind  –  jenseits  des  Faktors  Alter  –  auf  66  Vorerkrankungen  gekommen,  die einen  schweren  Verlauf  des Virus  begünstigen«,  sagt Repschläger.  Leidet  jemand an  mehreren  gleichzeitig, steigt  das  Risiko  rasant  an. Als  einen  vermeidbaren  Risikofaktor,  der  besonders  beachtet  werden  sollte,  nennt  er Adipositas,  krankhaftes  Übergewicht.  Denn eine  große  Körperfülle  führt  zugleich  zu weiteren  Ko-Morbiditäten,  etwa  Diabetes Typ  2 oder  Herz-Kreislauf-Erkrankungen. »Aber  das  ist  ein  sensibles  Thema«,  sagt  Repschläger. 

[November 2021: In Welt und Bild vom 23.11.2021: „Ärzte warnen vor Diabetes-Tsunamie“. Danach haben europäische Diabetes-Experten festgestellt, im Durchschnitt haben die Menschen in Europa 6 kg seit Sommer 2020 zugenommen. Zahlreiche Diabetes-Kranke um noch mehr Kilos, da sie sich zu wenig
bewegten. So wird in den kommenden Jahren ein intensiver Anstieg an Diabetes-Toten erwartet.]

Sensibel  ist  das  Thema  aber  eigentlich nur  für  die  Bundesregierung  und  die  Landesregierungen.  Denn  »public health«,  was man  mit  dem  seltsam  klingenden  Wort »Volksgesundheit«  übersetzen  könnte,  ist eine  Aufgabe  des  Staates.  »Follow  the science«, also  wissenschaftsbasierte  Politik  zu  machen, bedeutet,  Übergewicht  und  Sedentarismus, die  Nicht-Bewegung,  gesundheitspolitisch zu  bekämpfen  und  Bürgerinnen  und  Bürgern  somit  zu  helfen,  nicht  zu  Risikopatienten  zu  werden.  Schon  eine  sehr  frühe  Studie englischer  Forscherinnen  vom  April  2020 hob  hervor,  dass  Übergewicht  das  Todesrisiko britischer  Corona-Patienten  vervierfachte. (…) Bürgerinnen  und  Bürger  in  OECD-Staaten [leiden] besonders  stark  unter  Übergewicht  und  geringer Bewegung und [sind] daher von Corona besonders betroffen. (…)“

[November 2021: Seit langem gibt es Forderungen, die Todeszahlen bitte nach Altersgruppen zu sortieren, denn das Beispiel Schweiz zeigt, mehr als 75 Prozent der Toten sind älter als der Durchschnitt der Schweizer. 50 Prozent aller Toten sind zwischen 89 und 110 Jahre alt derzeit, weitere 30 Prozent zwischen 84 und 89 Jahren. Dabei liegt die allgemeine Lebenserwartung bei 83 Jahren. Diese Aufstellung kam in den stündlichen Nachrichten des offiziellen Schweizer Radio am 14.11.2021.]

„Doch  haben  weder  die  Bundesregierung noch  die  Landesregierungen  in  einem  Jahr der  Pandemie  etwas  unternommen  für  die Volksgesundheit.  »Es  gibt  keine  neuen  Projekte  zur  Prävention«,  räumt  das  Bundesgesundheitsministerium  ein.  Auch  das  Bundesministerium  für  Ernährung  und  Landwirtschaft  hat  keine  neuen  Strategien  entwickelt.  Beide  Ministerien  zitieren  lediglich Programme,  die  schon  jahrelang  laufen  – und  bisher  offenbar  wenig  bewirken.  Denn die  Zahl  der  vermeidbaren  Zivilisationskrankheiten  wie  Diabetes  Typ 2 stieg Jahr für Jahr  auf  inzwischen  fast  sieben  Millionen Fälle  an.  Mittlerweile  gilt  knapp  jeder  vierte Deutsche  als  krankhaft  übergewichtig, 800.000  Kinder  sind  betroffen.

»Natürlich  ist  Adipositas ein  relevanter  Risikofaktor für  einen  schwereren  Verlauf  von  jeder  Infektion  – das  weiß  jeder,  der  schon einmal  auf  der  Intensivstation  gearbeitet  hat«,  sagt Maria  Vehreschild,  Leiterin der  Infektiologie  am  Universitätsklinikum  Frankfurt.  »Prävention  ist  ein  ungemein  wichtiges,  aber  unbeliebtes  Thema  für  die  Politik.  Es  ist  sicherlich  bequemer,  jemandem  eine  Tablette  zu verschreiben,  als  die  Menschen  präventiv  zu schützen.«  Schon  in  der  Schule  müsste  natürliche  Ernährung  unterrichtet  und  mehr Sport angeboten werden – beides Grundlage für ein gesundes  Leben.  Davon ist Deutschland weit entfernt.  Neun  von  zehn  Jugendlichen  bewegen  sich  weniger  als  empfohlen,  nicht  viel anders  sieht  es  bei  den  Erwachsenen  aus. Eigentlich  sind  die  Strategien  für  bessere Abwehrkräfte,  im  Gegensatz  zur  Corona-Politik,  seit  Jahrzehnten  internationaler  Konsens.  Die  Weltgesundheitsorganisation  empfiehlt,  die  Städte  auf  Radfahrer  und  Fußgänger  auszurichten  und  hohe  Steuern  auf ungesunde  Lebensmittel  zu  erheben.  Auch sollten  Ärztinnen  und  Ärzte,  für  viele  Menschen  Autoritätspersonen,  statt  Betablockern lieber  Sportstunden  verschreiben. Doch  eine Gesellschaft,  die  über  eine  hoch  technisierte Intensivmedizin  verfügt,  kann  offenbar  nicht glauben,  dass  bei  der  Bekämpfung  eines  Virus  so etwas  Gewöhnliches  wie Joggen  und  Gemüse  von großer  Bedeutung  sein  soll. »Angenommen, wir hätten  auch  nur  einen kleinen  Teil  der  Corona-Billionen  für  Prävention ausgegeben  –  wir  hätten viel  erreicht«,  sagt  Tim Lobenstein,  Adipositas-Experte  bei  der  WHO.

Eine  bessere  Gesundheit für  alle  würde  das  Gesundheitssystem langfristig  besser  entlasten  als  unzählige neue  Beatmungsmaschinen.  In  Deutschland  gibt  es  zurzeit  500.000  Krankenhausbetten.  Das  Drama  der  Corona-Patienten verdeckt  bisweilen,  dass  der  weitaus  größte Teil  der  Stationen,  nämlich  deutlich  mehr als  90  Prozent,  von  Patienten  mit  anderen Diagnosen  belegt  sind.  Viele  wie  zum  Beispiel  Herz-Kreislauf-Krankheiten  könnten verhindert  werden.  Britische  Forscher sprechen  von  einer  verdeckten  Pandemie dieser  Leiden.

Auch  die  Deutsche  Gesellschaft  für  Immunologie  (DGFI)  verweist  auf  Studien, wonach  das  Infektionsrisiko  der  Bevölkerung  verringert  und  schwere  Verläufe  von Corona  verhindert  werden  können  durch bessere  Ernährung,  Sport  und  genügend Schlaf.  Die  gute  Nachricht:  Dieser  Schutz wird  relativ  schnell  erreicht.  Laut  einer  weiteren  vom  DGFI  empfohlenen  Untersuchung  können  übergewichtige  Menschen innerhalb  von  drei  Monaten  mit  gesunder Ernährung  und  mehr  Bewegung  ihre  Immunabwehr  entscheidend  verbessern. (….)“

***
Und schon wieder wird (Stand November 2021) der Sportunterricht in Schulen gestrichen und werden Kinder und Jugendliche gezwungen, den gesamten Schultag mit einer Mund-Nasen-Bedeckung zu verbringen, immer und überall wird alles und alle Hände desinfiziert – alles Faktoren, die nachweislich das Immunsystem immer anfälliger machen.
Ergänzung wenige Tage später: Nun kommt es sogar so weit, dass Brandenburg als erstes Bundesland die Schulpflicht ab 12 Jahren aufhebt. Jeder der Kinder in diesem Alter hat, kann sich die täglichen Diskussionen vorstellen, wenn die Kinder nun „frei“ entscheiden dürfen, ob sie zur Schule gehen oder nicht. Und jeder der in der Kinder- und Jugendhilfe oder -arbeit tätig ist, weiß, wie das in der Mehrheit der sogenannten ‚bildungsfernen‘ Familien ausgehen wird.

Kein Wunder also, dass ein alarmierendes Ansteigen von Kindern auf Intensivstationen zu verzeichnen ist – nicht mit Corona, sondern mit dem RSV-Syndrom, von die Ärzte übereinstimmend sagen, dass es eine Folge der Kita- und Schulschließungen bzw. des Lockdowns im letzten Winter sei, durch den die Kinder durch zu viel Kontaktbeschränkungen ihr Immunsystem nicht stärken konnten und nun besorgniserregend schwere Verläufe bei dieser sonst meist harmlos verlaufenden Krankheit haben.

Aber klar, an der „Wucht“ der „Vierten Welle“ sind nur die Ungeimpften schuld. Nicht die ganzen Maßnahmen, die uns alle in Bezug auf das Immunsystem schwächer und anfälliger gemacht haben. (Nicht zu reden von Angst, Einsamkeit, Traurigkeit, die alle nachweislich das Immunsystem schwächen.) Keine Frage. Und was muss denn noch geschehen, dass das endlich alle einsehen: 

„Die vierte Welle trifft unser Land härter, als sie uns treffen müsste. Denn wir wissen doch, was zu tun ist, um diese Pandemie endlich hinter uns zu lassen.“, sagt unser Bundespräsident. „Wir können es alle wissen. Die allermeisten Menschen in unserem Land lassen sich impfen, um sich und andere zu schützen.1 Diejenigen, die sich nicht impfen lassen, setzen ihre eigene Gesundheit aufs Spiel, und sie gefährden andere. (…) Wer jetzt immer noch zögert, sich impfen zu lassen, den will ich heute ganz direkt fragen: Was muss eigentlich noch geschehen, um Sie zu überzeugen? Ich bitte Sie noch einmal: Lassen Sie sich impfen! Es geht um Ihre Gesundheit, und es geht um die Zukunft unseres Landes! (…)“2

So der Wortlaut des deutschen Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier in einer Rede vom 15. Nov. 2021, eines Mannes, dessen Amt eigentlich sein müsste, alle BürgerInnen zu vertreten und zu vermitteln, anstatt zu spalten.

1 Nein, eine große Zahl, vermutlich eine deutliche Mehrheit der Menschen ließen und lassen sich nicht impfen, um andere zu schützen, sondern um für sich selbst mehr Freiheiten zu haben. Diesen Befund erhält man mit jeder nicht-wissenschaftlichen, selbst durchgeführten Befragung. Doch eine Forsa-Umfrage, wie zu anderen Corona-Aspekten, wurde bislang nicht gemacht, etwa mit der Fragestellung: Haben Sie aus Sorge um das Virus sich impfen lassen oder weil Sie mehr Freiheiten für sich haben wollten, wie Reisen, Theater-Besuche u. ä. ]

2 https://www.blautopf.net/index.php/politik/politik-corona/item/377-der-bundespraesident-spricht-zu-uns